Verzugszinsfakturierung

In diesem Dokument wird beschrieben, wie Verzugszinsen für verspätete Kundenzahlungen berechnet und erhoben werden. Weitere Informationen zur Verrechnung von Kundenzinszahlungen bei verspäteten Zahlungen und den Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, finden Sie in Verzugszinsfakturierung für verspätete Kundenzahlungen.

Zweck

Der Verzugszins erfüllt zwei Aufgaben:

  • Kunden zur Zahlung von Rechnungen vor dem Fälligkeitsdatum anregen
  • Kosten ausgleichen, die aufgrund von Störungen des geplanten Cashflows infolge verspäteter Zahlungen anfallen.

Zeitpunkt

In den meisten Ländern ist es zulässig, Kunden einen angemessenen Zins für verspätete Zahlungen zu berechnen, da verspätete Zahlungen als nicht autorisiertes Darlehen angesehen werden können. Die Regeln für die Bedingungen zur Berechnung von Verzugszinsen hängen vom jeweiligen Land und der Branche ab.

  1. Überlegungen vor der Verzugszinsrechnung

    Bei der Verzugszinsrechnung stellen sich drei Fragen:

    1. Ist diese in der Kultur unserer Kunden akzeptiert? Verzugszinsrechnungen sind zum Beispiel in lateinamerikanischen Ländern im Allgemeinen weniger verbreitet als in skandinavischen Ländern.

    2. Wie wirkt sich dies auf unsere Beziehung zum Kunden aus? Bedenken Sie, dass eine Verzugszinsrechnung Komplikationen oder auch den potenziellen Verlust des Wohlwollens in den Augen eines ansonsten zuverlässigen Kunden nach sich ziehen kann.

    3. Welche Kosten ergeben sich aus der Verzugszinsrechnung für mich? Die Verwaltungskosten für das Erstellen und Überwachen von Verzugszinsrechnungen sollten genauso im Auge behalten werden wie die Zeit, die nötig ist, um sich bezüglich der Rechnung mit einem problematischen Kunden auseinanderzusetzen.

Vorgehensweise

Je nach Vertrag mit dem Kunden wird der Verzugszins auf drei Berechnungsgrundlagen berechnet. Die entsprechend zu verwendende Berechnungsbasis wird in "Verzugszinsregel. Öffnen" (CRS460/E) definiert. Die Regel wird dann in "Kunde. Öffnen" (CRS610/K) mit dem Kunden verknüpft.

Folgende Berechnungsgrundlagen sind verfügbar:

  1. Verzugszinsen werden für zu spät bezahlte Rechnungen und offene überfällige Rechnungen ab dem Fälligkeitsdatum berechnet.

  2. Verzugszinsen werden sowohl für bezahlte als auch für nicht bezahlte überfällige Rechnungen ab dem Rechnungsdatum berechnet.

  3. Verzugszinsen werden für alle Rechnungen ab dem Rechnungsdatum berechnet, auch wenn sie nicht überfällig sind.

  1. Verzugszinsen für zu spät bezahlte Rechnungen und offene überfällige Rechnungen ab dem Fälligkeitsdatum

    Der Zins für zu spät bezahlte Rechnungen basiert auf der Zahlungstransaktion und wird folgendermaßen berechnet:

    Betrag * Jahreszins % * (Anzahl an Tagen zwischen dem Fälligkeits- und dem Zahlungsdatum/365)

    Für offene, überfällige Rechnungen basiert der Zins auf der Rechnungstransaktion und wird folgendermaßen berechnet:

    Betrag * Jahreszins % * (Anzahl an Tagen zwischen dem Fälligkeits- und dem Bis-Datum, das bei Erstellung der Verzugszinsrechnung in (ARS150) ausgewählt wird/365)
  2. Verzugszins ab dem Rechnungsdatum für bezahlte und für nicht bezahlte überfällige Rechnungen

    Der Verzugszins wird berechnet, sobald die Rechnung überfällig ist, ungeachtet dessen, ob eine Zahlung durchgeführt wurde.

    Für gezahlte Rechnungen wird der Verzugszins folgendermaßen berechnet:

    Betrag * Jahreszins % * (Anzahl an Tagen zwischen dem Rechnungs- und dem Zahlungsdatum/365)

    Für nicht bezahlte Rechnungen:

    Betrag * Jahreszins % * (Anzahl an Tagen zwischen dem Rechnungs- und dem Bis-Datum, das beim Ausführen der Verzugszinsrechnungsroutine ausgewählt wird/365)
  3. Verzugszins ab dem Rechnungsdatum für alle Rechnungen

    In einigen Branchen kann das Berechnen von Zinsen ab dem Rechnungsdatum Teil der Zahlungsbedingungen der Firma sein. Dem Kunden wird der Kredit für eine bestimmte Anzahl an Tagen verlängert. Wenn die Rechnung nicht innerhalb dieser Zeit bezahlt wird, gilt für den Kunden der Verzugszins ab dem Kaufdatum (Rechnungsdatum).

    Beispiel: Ein Handelsunternehmen bietet ein Produkt zu einem bestimmten Preis an – Sie müssen jedoch nicht sofort zahlen, sondern haben bis zu einem bestimmten Datum im nächsten Jahr Zeit. Wenn Sie jedoch bis zu diesem Zeitpunkt nicht zahlen, summiert sich der Zins ab dem Kaufdatum.

    Der Verzugszins wird entsprechend der Berechnungsgrundlage 2 oben berechnet.

  4. Methoden der Verzugszinsfakturierung

    Beim Erstellen einer Verzugszinsregel wird eine von zwei Methoden zur Verzugszinsfakturierung ausgewählt. Mit diesen Methoden wird definiert, ob nur zu spät gezahlte Rechnungen oder auch offene Rechnungen in die Verzugszinsberechnung einbezogen werden.

    Die für die Zinsregel definierte Methode wird vorgeschlagen, wenn in "Verzugszinsrechnung. Öffnen" (ARS160) ein Verzugszinsrechnungsvorschlag erstellt wird. Sie lässt sich jedoch ändern.

    Hinweis

    Wenn Verzugszinsrechnungsmethode 2 gewählt wird, werden offene, aber nicht überfällige Rechnungen nicht in die endgültige Verzugszinsrechnung einbezogen, sofern in der Verzugszinsregel Berechnungsgrundlage 1 oder 2 angegeben ist.

  5. Verzugszins bei Teilzahlungen

    Bis zur vollständigen Bezahlung der Rechnung wird der Verzugszins auch für Teilzahlungen berechnet. Bei der Fakturierung von Verzugszinsen überwacht das System die zuvor fakturierten und bezahlten Beträge.

  6. Zusätzliche Zahlungsreferenz

    Sie können für Kundenrechnungen eine "Parallele Rechnungsnummer" erstellen. Die Regeln dafür sind in

    "Zusätzliche Zahlungsreferenz. Öffnen" (CMS090) definiert. Der einzige verfügbare "Referenznummerntyp" ist 1 = Parallele Rechnungsnummer. Die "Parallele Rechnungsnummer" kann erst zur XML-Datei hinzugefügt werden, wenn ein Rechnungsdokument erstellt wird. Die "Parallele Rechnungsnummer" wird zusammen mit der Rechnungsnummer in der Tabelle FSAPRN gespeichert.

  7. Zeitgrenze

    Gezahlte Rechnungen können in Abhängigkeit von der Anzahl der Tage zwischen Zahlungsdatum und Rechnungsrechnungsvorschlagsdatum ausgeschlossen werden.